



Wild und lebenslustig
In den versickerungsfähigen Fugen des Arena-Belags haben sich dieses Jahr weiße und auch blaue Glockenblumen (Campanula persicifolia und Campanula rotundifolia) sowie das Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris) bestens etabliert. Einfach so, völlig ohne mein Zutun. Eine echte Hitzewoche haben sie dort bereits überstanden. Okay, ich gebe zu, die Blauen auf dem Parkplatz haben gelegentlich beim Gießen einen Spritzer Wasser abbekommen, die weißen Glöckchen an der Terrasse allerdings nicht. So hat sich also in diesem Jahr ein wildes Fugenleben eingestellt, das ich durchaus als lebenslustig und keinesfalls als chaotisch oder gar ungepflegt beschreiben möchte. Die Nutzer meines Parkplatzes werden inzwischen dezent darauf hingewiesen, dass spätestens bei der ersten blauen Glockenblume das Ende beim Hinaufrollen erreicht ist, und selbst husche ich – geflissentlich darauf bedacht, nichts umzutreten – vom Carport Richtung Haustür, denn dort dominiert bereits das kühlende Grün und nicht mehr der Betonstein.
Königliche Übernahme



Es dauert nicht mehr lange, dann leuchten im Gartenlabor unfassbar viele gelbe Kerzen, die sich alle selbst entzünden. In fast jeder Ritze und Fuge, aber auch auf dem wassergebundenen runden Sitzplatz hat sich Verbascum olympicum, die Kandelaber-Königskerze, selbst ausgesamt. Geplant und bestellt für das Beet auf der Südseite des Hauses war damals Verbascum bombyciferum, die Silber-Königskerze. Es wird einen Grund gehabt haben, warum die Sorten vertauscht wurden.
Die erste Blüte der im Jahr 2021 gepflanzten Stauden fand im Juli 2023 statt. Drei Jahre später ist es erneut soweit. Und nicht nur das Gartenlabor entfacht das gelbe Licht, auch die Nachbarn wurden fleißig mit Sämlingen versorgt. Die Wildbienen, Käfer, Schwebfliegen und Tagfalter werden an diesen ergiebigen Pollenquellen ihre Freude haben. Die markhaltigen Stängel dienen als Kinderstube und Überwinterungsquartier und die dichten Blattrosetten am Boden bieten ebenfalls vielen Käfern, Wanzen und Spinnen einen wärmenden Winterschutz. Aber jetzt erfreue ich mich erst einmal am Kerzenschein und versuche euch im nächsten Beitrag mit entsprechenden Szenen und Eindrücken mitzunehmen.
Päonienstudien






An manchen Tagen schaffe ich es tatsächlich, früh am Morgen mit der Kamera den bunten Reigen im Garten einzufangen. Leider glaube ich viel zu häufig, dass andere Dinge wichtiger sind – warum auch immer. Das darf sich ändern. Schwebfliegen über ungefüllten, insektenfreundlichen Pfingstrosenblüten faszinieren, und solch ein Shooting kann durchaus erfüllend sein: die Konzentration auf das Motiv, die Wahl des Bildausschnitts, die Choreografie des Fliegens und des Landens der Insekten, das rechtzeitige Drücken des Auslösers und das Sichten der fotografischen Beute. Und dann gab es da noch eine zarte hellgrüne Spinne, die die ersten Minuten des Tages auf zartem Rosa verbrachte – ich empfand sie als wunderschön.








